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17.07.2015: Neue Ausstellung zum Ersten Weltkrieg eröffnet

Wie wirkte sich der Erste Weltkrieg auf die ladinische Bevölkerung rund um das Sellamassiv aus? Was bedeutete es damals mitten im Frontgebiet zu leben? Und wie haben die Ladiner dieses Kapitel verarbeitet? Darum geht es bei der neuen Sonderausstellung „1914-1918. Jenseits aller Grenzen. Die Ladiner erzählen ihre Geschichte" im Museum Ladin Ćiastel de Tor in Sankt Martin in Thurn im Gadertal. Sie wurde am Freitag, 17. Juli eröffnet und ist bis 26. Juni 2016 zu sehen.

  

Alle Grenzen in Bezug auf das menschliche Leid, die Zerstörung und den Verlust der Vernunft wurden im Ersten Weltkrieg (1914-1918) überschritten. Und die Folgen des Krieges sind immer noch nicht überwunden: die Friedensverträge zogen neue politische Grenzen mit sich, die bis heute weitere blutige Konflikte verursachen, wie etwa im Balkan, in der Ukraine oder im Nahen Osten, usw..

Das Thema der neuen Sonderausstellung „1914-1918. Jenseits aller Grenzen. Die Ladiner erzählen ihre Geschichte" im Museum Ladin Ćiastel de Tor ist der Erste Weltkrieg und die Grenze in all ihren Aspekten (Geographie, Kultur, Identität, Gender ...), insbesondere in Bezug auf die ladinischen Täler rund um das Sellamassiv: die Front durchquerte und trennte sie, schuf Flüchtlinge und Gefangene, spaltete die Gemeinschaft und veränderte das Gebiet grundlegend.

Und dies nur wenige Jahre nachdem sich die Dolomiten der Welt geöffnet hatten: durch neue Straßen, die Eisenbahn und Werbekampagnen kamen die Bergsteiger-Touristen in Scharen, der Wohlstand wuchs. Aber 1914 endete das alles abrupt.

Die Ausstellung erzählt von einem kleinen Flecken Land an der Grenze zwischen Österreich und Italien und vermittelt dabei mittels Briefen, Tagebüchern und Fotografien der Zerstörung und Entwurzelung die Mechanismen dieses Krieges. Und vor allem erzählen die Zeitzeugen der 80er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts über diesen Krieg und spiegeln dabei eine bestürzte Menschheit ohne Grenzen wider. Im Mittelpunkt dieser Erzählung steht die Bevölkerung: die Erfahrungen der Männer und Soldaten an den verschiedenen Fronten und die Frauen und Kinder hinter der Front oder im Exil, die mit der Kriegswirtschaft und mit den Schwierigkeiten des erzwungenen Zusammenlebens zurechtkommen mussten.

Nach dem Krieg änderte sich durch die Verschiebung der Grenze zum Brenner und den Staatenwechsel von Österreich zu Italien auch der Horizont der eigenen Identität. Nicht nur das zerstörte Gebiet musste wiederaufgebaut werden, sondern auch die Definition von sich selbst. Und das war nicht einfach: Ansprüche, Nostalgie und Mythen begleiteten die ladinische Geschichte während des gesamten zwanzigsten Jahrhunderts.

Die neue Sonderausstellung ist bis 26. Juni 2016 zu sehen.

Weitere Informationen gibt es im Museum Ladin Ćiastel de Tor, Schloss Thurn, Torstraße 65, 39030 St. Martin in Thurn, Tel. 0474 52 40 20.