Die immateriellen Kulturgüter: Das EU Projekt E.CH.I.

Italienisch-Schweizerische Ethnographien für die Valorisierung des Immateriellen Erbes

Ovid berichtet, dass Echo eine Nymphe mit einer besonderen Begabung in der Erzählkunst sei. Sie war so begabt, dass Zeus sie beauftragt, seine Ehefrau Hera während seinen häufigen außerehelichen Abenteuern abzulenken. Sobald Hera dieses Spiel durchschaut, beraubte sie Echo der Sprache und ließ ihr lediglich die Fähigkeit, die letzten Wörter der Sätze zu wiederholen, die sie hörte.
Anders ausgedrückt, ist Echo also ein Fragment einer Erzählung. Echos (ital. „echi“) sind folglich widerhallende „Stimmen“ und Episoden einer Erzählung, die in alpinen Räumen verschiedene Varianten, Formen, Inhalte und Interpretationen annehmen können. Das Projekt widmet sich diesen Echos immaterieller Fragmente in den transnationalen Szenarien italienisch-schweizerischer Gebiete.
Der Schutz des immateriellen Kulturerbes ist ein wichtiger Punkt der gegenwärtigen Kulturpolitiken und wird als grundlegende Aktivität betrachtet, um die Kreativität, das Zugehörigkeitsgefühl und die Identität von Communities v.a. in Grenzgebieten zu verteidigen, die ständigen Prozessen des Austausches ausgesetzt sind.
Mit dem Gesetz Nr. 167 vom 27. September 2007 hat Italien die Unesco-Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes ratifiziert, die am 17. Oktober 2003 in Paris verabschiedet worden ist. Die Konvention verpflichtet die teilnehmenden Länder, notwendige Maßnahmen zum Schutz des immateriellen Kulturerbes und zur Förderung der Zusammenarbeit auf regionaler und internationaler Ebene zu ergreifen.
Das Projekt E.CH.I. erlaubt die Schaffung einer gemeinsamen Strategie, welche die Communities in der Reaktion auf den homogenisierenden Druck unterstützt, welchen die Globalisierung sowohl auf die kulturellen und linguistischen Besonderheiten und Pluralitäten, als auch auf das Ausharren einiger traditioneller Aktivitäten in Grenzregionen ausübt. Die immateriellen Güter sind „lebende Güter“, die sich in mündlichen Tradierungen, Sprachen, darstellenden Künste, sozialen Praktiken, Festen und Ritualen, technischem Wissen manifestieren, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und zur Identitätsbildung beitragen.

E.CH.I. in Gröden

Das Museum Ladin hat als Projektpartner von E.CH.I. seine Dokumentation der immateriellen Kulturgüter auf Gröden konzentriert. Diese Dokumentation wurde dem ladinischen Ethnologen, Sozial- und Kulturanthropologen Emanuel Valentin anvertraut.
Der erste Schritt war die Digitalisierung und Katalogisierung im KKS einer großen Audiosammlung der beiden Grödner Oswald Rifesser und Georg Dellago, die seit den 1980er Jahren zahlreiche (v.a. ältere) Menschen des Grödentales über das Leben von damals interviewt haben. Ausschnitte dieser Interviews wurden von Radio Gherdëina in der Sendung „Jënt conta dla vita da zacan“ ausgestrahlt. Diese Audiosammlung beinhaltet viele Erzählungen über alte Bräuche, Lebensgewohnheiten von damals und bäuerlichem Wissen, die heute zum Groß-teil verschwunden sind. Somit stellt die Audiosammlung einen wertvollen Schatz an mündlichen Zeugnissen dar, die das Wissen über immaterielle Kulturgüter einzelner Personen wiedergeben, und als Einzelteile eines größe-ren Puzzles zusammengefügt werden können. Ergänzt wurden diese Zeugnisse durch umfassende literarische Recherchen.
Der zweite Schritt war eine ethnologische Feldforschung, in dessen Rahmen das immaterielle kulturelle Erbe Grödens dokumentiert wurde. Einige ausgewählte Beispiele dieses Kulturerbes wurden in Zusammenarbeit mit mit dem Filmemacher Hanspeter Karbon auf Video festgehalten und sind in dieser Multimedia-Station einsehbar.
Sämtliche Dokumentationen aller am Projekt E.CH.I. teilnehmenden Regionen wurden in einem Online-Inventar katalogisiert und sind über das Internet für das Publikum zugänglich.

Partner

Italienische Parnter

Projektleitung:

  • Region Lombardei, Assessorat Bildung und Kultur, Archiv für Ethnographie und Sozialgeschichte (AESS)
  • Autonome Provinz Bozen-Südtirol – Südtiroler Landesmuseen – Museum Ladin
  • Autonome Region Aostatal – Assessorat Bildung und Kultur – Regionales Amt für Ethnologie und Linguistik
  • Region Piemont – Abteilung Museen und kulturelles Erbe

Schweizerische Partner

  • Kanton Wallis – Mediatheque Valais-Martigny
  • Kanton Tessin – Zentrum für Dialektologie und Ethnographie
  • Kanton Graubünden – Polo Poschiavo